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5 Schritte, um euch vor unkontrolliertem essen zu schützen

5 Schritte, um euch vor unkontrolliertem essen zu schützen

In meinem letzten Blogpost habe wir gemeinsam eine Reise begonnen. Eine Reise auf der wir lernen können, ohne Kampf und Verzicht zu unserer natürlichen Wunschfigur zu kommen und ein Leben in Leichtigkeit, Freiheit und Frieden führen zu können. Auf diesem Weg ist eine Einsicht entscheidend: Es ist nicht nur wichtig, was wir essen, sondern auch, warum wir essen. Dieses “warum” führt nämlich häufig zu einem problematischen Essverhalten, welches vieler unserer Probleme verursacht. In diesem Artikel zeige Ich euch deswegen 5 Schritte, um euch vor unkontrolliertem essen zu schützen.

Mit meiner “Hausaufgabe” für euch in meinem letzten Blogpost habe Ich es schon angedeutet. Ich habe euch nämlich gebeten euch einmal genau anzusehen, wann, wieviel, was und WARUM ihr esst. Heute werde ich euch zeigen, warum es unabdingbar ist, sich das WARUM sogar noch genau anzuschauen. Vorausgesetzt, ihr wollt den Kreislauf des Leidens von Diät und wieder Zunehmen endlich durchbrechen und (wieder) lernen, auf euren Körper zu hören und vor allem, ihm zu vertrauen.

Denn eines verspreche ich euch: Unser Körper weiß eigentlich ganz genau, was, wann und wieviel gut für uns ist. Das einzige was uns im Weg steht, uns von diesem perfekten Wunder der Natur leiten zu lassen, sind wir selbst. Aber dazu später mehr.

Also, schnappt euch eure Reiseköfferchen, es geht weiter in Richtung selbstbestimmtes und glückliches Essverhalten, frei von Zwängen und Leiden…

Essen trotz fehlendem körperlichen Hungergefühl

Im letzten Blogpost haben wir bereits darüber geredet, dass hinter unserem übermäßigen Essverhalten ein Muster liegen kann. Bei mir war essen unter anderem eine Bewältigungs-Strategie um mit Stress, Druck etc. umzugehen. In der Ernährungspsychologie sprechen wir in diesem Fall von emotionalem essen. Emotionales essen ist also, wenn die Esslust nicht vom biologischen, körperlichen Hunger, sondern von intensiven Emotionen (Angst, Ärger, Traurigkeit) ausgelöst wird.

Häufig fällt uns selbst nicht einmal auf, dass wir aus emotionalen Gründen und nicht aus körperlichen Gründen essen. Wie denn auch? Wir haben es uns schließlich über Jahre hinweg abtrainiert, auf unseren Körper zu hören. Dabei denken wir, dass wir es besser wissen mit unseren Formeln und Apps und dem Tracking. Wir reden uns ein zu wissen, was “gut” ist, weil “man” oder die Eltern oder wer auch immer das schon immer so gemacht hat oder unsere Vorstellung von “gut” einem Trend folgt und viele andere es auch so machen.

Woher soll die Erfahrung also überhaupt stammen, dass wir der Stimme unseres Körpers eigentlich trauen könnten?

Essen und emotionale/soziale Reize

Als Säuglinge haben wir bei jedem Bedürfnis (wie etwa Hunger) das wir gespürt haben angefangen zu schreien. Klar, wir konnten uns nicht selbst versorgen und mussten irgendwie auf unser Bedürfnis aufmerksam machen. In der Regel kam dann schnell ein Erwachsener und hat sich um uns gekümmert. Im besten Fall haben wir dabei aber nicht nur Essen, sondern auch Liebe und Zuneigung bekommen. So haben wir gelernt: Wenn wir etwas brauchen oder es uns nicht gut geht, dann schreien wir, woraufhin wir früher oder später bekommen, was wir brauchen. Wir werden zum Stillen an die Brust gelegt oder in den Arm genommen und bekommen das Fläschchen.

Okay, so weit so gut, lasst uns das genauer betrachten. Bereits als Säugling haben wir verinnerlicht, Essen mit sogenannten affektiven Reizen zu verbinden, wodurch Gefühle in uns ausgelöst werden.

Den schmerz im Bauch, welcher von Hunger ausgelöst wird, konnten wir als Baby noch nicht einordnen. Wir spürten ein Leere-Gefühl in uns (Hunger), schreiten, es kam jemand, gab uns Essen und Liebe, das Leere-Gefühl in uns (unserem Bauch) ging weg und wir fühlten uns wieder gut, behütet und sicher. Hunger wurde dadurch immer wieder mit Schmerz verknüpft, Essen auf der anderen Seite immer wieder mit Liebe.

Dabei ist das nur EIN Beispiel, wie sich Essen mit unseren Gefühlen verknüpfen kann

Wenn wir genau hinsehen, dann fällt uns auf, dass wir auch in unserem weiteren Leben feste Verbindung zwischen Emotionen und Essen verknüpft haben. Das passiert zum Teil ganz automatisch. Und alles was automatisch, also fern von unserer bewussten Wahrnehmen passiert, liegt außerhalb unseres bewussten Einflusses.

Ein Beispiel von mir: Ich spüre oft Geselligkeit und Liebe in mir, wenn ich den Geruch von Kuchen wahrnehme. Der Grund dafür ist, dass meine Mama am Sonntag immer Kuchen gebacken hat. Unsere ganze Familie kam zusammen, um den zu genießen. Es gab kein Streit, keiner hatte irgendwelche Termine und wir haben uns richtig Zeit füreinander genommen. Das war so ein wohliges Gefühl, welches ich so nur von diesem besonderen Ereignis kannte.

In meiner “harten Fitnesszeit” habe ich mir Kuchen lange verboten. Ich habe mich so oft gefragt, warum mir gerade bei Kuchen der Verzicht so schwer fällt (es war wirklich eine Qual). Erst als ich erkannt habe, was für ein emotionales System hinter meinem Verlangen steckt, konnte ich eine Lösung finden. Jetzt zaubere ich mir meine geliebten Kuchen einfach so, dass ich meiner Seele und meinem Körper etwas gutes tue. Aber darauf wäre ich wahrscheinlich nicht gekommen, wenn ich mich nicht genau mit meinem Verlangen und den damit verbundenen Emotionen auseinandergesetzt hätte.

Plötzlich befinden wir uns vor einer leeren Bäckertüte…

Was ich euch damit sagen will ist, dass Emotionen einen Einfluss auf das Essverhalten haben UND dass das Essverhalten rückwirkend auch die Emotionen beeinflusst. In der Forschung wird das als wechselseitige Beziehung bezeichnet.

Denn haben wir einen bestimmten Geruch oder Geschmack bereits in der Vergangenheit in einer bestimmten Situation wahrgenommen, mit der starke Emotionen verknüpft waren, dann werden diese Gerüche und Geschmäcker mit den Emotionen verknüpft. Nehmen wir die dann später wieder war, werden wir in die Emotion zurück versetzt. Die Wahrnehmung eines Geruchs oder Geschmacks kann also eine Emotion in uns hervorrufen.

Auf der anderen Seite kann es genauso passieren, dass wenn wir nur die Emotion verspüren, plötzlich der verknüpfte Geruch oder Geschmack in uns hoch kommt – worauf wir in der Regel mit Lust auf den Geruch oder Geschmack reagieren. Eine auftretende Emotion kann also auch eine Lust auf einen Geruch oder einen Geschmack hervorrufen.

Das passiert alles so plötzlich, dass wir willentlich keinen Einfluss darauf haben. Der sogenannte Schlüsselreiz taucht auf, die damit verbunden Emotionen bzw. Lust wird in uns wachgerufen. Und weil das alles unterbewusst abläuft, folgt meistens direkt die Handlung “unbewusst essen”.

Und sei es nur, wenn wir in einem gestressten Moment am Bäcker vorbei hetzen und einen duftenden wohligen Geruch wahrnehmen. Schon befindet sich ein großes Stück Kuchen in unserer Hand, während wir weiter zum nächsten Termin hetzen. Einfach weil Ich in diesem Fall es mir antrainiert habe, auf Stress mit essen zu reagieren. Das ist mir so oft passiert.

Was Stress-Essen mit mir gemacht hat

Nach dem Stück Kuchen war mir eigentlich grundsätzlich schlecht und der Stress fühlte sich auch nicht weniger an. Wenn ich ehrlich bin, wurde der Stress bei mir danach sogar meistens noch stärker, weil ich mir schon direkt beim ersten bissen Schuldgefühle eingeredet habe. Und das ist noch nicht alles, denn das Stück Kuchen hatte die Hälfte meines täglichen Kalorienbedarfs gedeckt und ich war noch nicht einmal mit Genuss beim essen. Geschweige denn, dass Ich überhaupt hungrig war.

Wenn uns klar ist, wann wir essen, ohne das wir wiklich körperlichen Hunger haben, dann können wir herausfinden, nach was unser Körper oder unsere Seeele in dem Moment wirklich schreit. Dann müssen wir auch nicht mehr auf die “kalorischen Bewältigungsstrategien” zurück greifen. Als ich herausgefunden habe, dass ich in den besonders stressigen Situationen auf dem Weg zum nächsten Termin wie auf Autopilot beim Bäcker gehalten habe und es mir danach immer noch schlechter ging, habe ich mir überlegt, was ich in der Situation wirklich brauche.

Mittlerweile mache ich gerne eine Übung, wenn ich auf dem Weg zu Terminen bin. Die Übung soll meine Achtsamkeit stärken, damit Ich bewusst bleibe und nicht in meine Fallen tappe, die Ich mittlerweile zum Glück kenne. Konkret habe ich mir angewöhnt, bei jedem Schritt genau darauf zu achten, wie sich mein Fuß beim gehen anfühlt. Wo kommen sie auf dem Boden auf, wie rolle ich wieder ab… (Dieser “Trick” ist ganz einfach praktizierte Geh-Meditation, wer sich dafür interessiert, sollte mal bei Thich Nhat Hanh vorbeischauen, einem buddhistischen Mönch und Autor)

Das lässt sich ganz einfach in den Alltag einbauen und kostet keine zusätzliche Zeit. Es macht einfach einen riesigen unterschied, alles an seinem Körper wieder ganz bewusst zu fühlen.

Nicht nur Emotionen haben Einfluss auf unser Essverhalten

Doch das ist nicht genug. Auch Faktoren wie unser soziales Umfeld, unsere Erziehung und Prägungen, wie viele Schnell-Restaurants, Bäckereien etc. in der nähe unseres Wohnorts liegen etc. haben Einfluss auf unser Essverhallten. Und auch hier gilt wieder wie bei den Bewältigungsstrategien im Beispiel Stress gesehen, dass diese Faktoren ebenfalls automatisch wirken, ohne dass wir das wirklich bewusst merken. Nicht weil das nicht möglich wäre, sondern weil wir einfach nicht hinsehen (können).

So läufst du quasi auf Autopilot und überlässt die Kontrolle dem festgefahrenen System, welches für dich übernimmt. Wie ich im Bäcker-Beispiel. Das ganze jetzt noch Tag ein, Tag aus durchgespielt, und wir haben ein echtes Problem. Denn, wenn ich an 5 Tagen die Woche die Hälfte meines Kalorienbedarfs alleine mit einem Stress-Kuchen decke, dann wird sich dieses Verhalten irgendwann auf und in meinem Körper auswirken. Und über die ganzen seelischen Leiden durch die Schuldgefühle, die Scham und die Wut auf mich haben wir hier noch gar nicht gesprochen.

Das eigene Verhalten beobachten

Genau deshalb ist es sooooo wichtig, dass du dich, dein Essverhalten und generell deine Verhalten beobachtest und hinterfragst, ob das gerade wirklich dienlich für dich ist. Es liegt sooooo eine mega große Chance darin, sich wieder kennen zu lernen. Denn so eine neue, harmonische und bewusst geführte Beziehung zu dir selbst führt zum einen zu mehr körperlicher Vitalität und (seelischer) Kraft. Zum anderen ermöglicht sie dir, alte, begrenzende Glaubenssätze aus dem Weg zu räumen und dein Leben so zu gestallten, wie du es wirklich willst und liebst. Wir lernen wieder zu genießen, uns selbst etwas gutes zu tun und uns auf allen Ebenen zu nähren.

Wenn wir unsere innere Stimme und die Stimme unseres Körpers wieder hören und verstehen, dann können wir uns wirklich das geben, was wir brauchen, statt dem, was wir meinen zu brauchen. Wir sind dann mit dem Blick nach Innen gerichtet, wo wir alle Antworten auf unsere Fragen wahrnehmen können.

Keine Sorge, ihr seid nicht alleine und es ist ein Prozess. Wir gehen die Reise gemeinsam, niemand ist alleine. Wir werden gemeinsam Schritt für Schritt herausfinden, wie ihr die Verbundenheit mit euch selbst wahrhaftig stärkt, ohne dafür auf Dingen im Außen zurückgreifen zu müssen.

Selbstbestimmtes Essverhalten

Wir haben jetzt also einige der Gründe aufgedeckt, warum unser Essverhalten häufig von unserem unmittelbaren Körpergefühl abgetrennt ist. Lasst uns also herausfinden, wie wir wieder selbstbestimmt unser Essverhalten in die Hand nehmen und der inneren Stimme in uns folgen können.

Dazu ist es von Bedeutung, dass wir nicht nur unsere Emotionen und unseren Verstand kennen, sondern auch unseren Körper. Wir dürfen wieder herausfinden, wie wir mit ihm in Kontakt kommen können und ihm wieder die gebührende Wertschätzung geben. Lasst uns dazu zunächst einmal betrachten, wie wir…

unseren körperlichen Hunger wirklich wieder spüren und von der emotionalen Lust unterscheiden können

Wenn wir wirklich einen leeren Magen haben und essen, dann sendet der Magen, wenn er irgendwann “voll genug” ist, ein Signal an das Gehirn und wir fühlen uns satt. Das braucht zwar ein paar Minuten (um diesen Punkt wird es in einem anderen Blogpost noch genauer gehen), aber es tritt ein.

Essen wir aber, weil in unserem Leben etwas nicht in Balance ist, dann achten wir weniger auf die Signale unseres Körpers. Stattdessen diktieren uns dann unsere Erwartung die wir an das Essen gerichtet haben, wann wir genug gegessen haben. Wie bei mir das Beispiel mit dem Kuchen. Wir essen dann nicht, weil wir satt sind (weil wir ja gar nicht erst hungrig waren). Wir essen stattdessen solange, bis unser emotionales Bedürfnis, welches die Lust auf essen ausgelöst hat, befriedigt ist. Oder eben nicht, denn: Ich hätte noch so viel Kuchen essen können, mein Stress wurde dadurch ja nicht weniger. Also habe Ich weiter und mehr gegessen.

In dem Fall diente das Essen also nicht dazu, meinen leeren Magen zu füllen und meinen Körper zu nähren. Es sollte dazu dienen, ein Gefühle in meinem Inneren zu bewältigen. Was dieses Verhalten für ein schädigende Wirkung auf unseren Körper hat, ist uns in der Situation oft nicht bewusst oder einfach eher zweitrangig. Es rückt erst wieder in den Vordergrund, wenn wir aus dem Autopilot-Modus aussteigen, inne halten und hören, was unsere einzelnen Organe im Inneren (wie zum Beispiel der überdehnte Magen, die überlastete Bauspeicheldrüse etc.) “sagen”. Oft wird uns dann erst bewusst, was wir eigentlich tun.

Dabei ist es essenziell den Unterschied zwischen diesen zwei Arten von Hunger zu erkennen, um wieder einen Zugang zu dem wahren Hungergefühl unseres Körpers zu bekommen. Und es ist auch gar nicht so schwer, wie es euch in der Vergangenheit bzw. an diesem Punkt eurer Reise vielleicht noch vorkommt. Was uns an dieser Stelle vielleicht noch wichtiges fehlt, ist ein bisschen Übung und Vertrauen. Und dafür haben wir schließlich uns alle, die wir uns gegenseitig unterstützen.

Ein Tool um herauszufinden, was eure Körper wirklich braucht

5 Schritte, um euch vor unkontrolliertem essen zu schützen

Um euch beim Üben zu unterstützen, möchte Ich euch ein Tool an die Hand geben. Mit diesem Tool könnt ihr euch selbst vor euren Mahlzeiten reflektieren um zu überprüfen, woher euer Bedürfnis nach Essen gerade kommt. Ist es echter Hunger oder eine emotionale Lust? Und das beste daran: Je häufiger ihr das Tool benutzt, desto leichter wird euch die Unterscheidung fallen, bis ihr es irgendwann von ganz alleine erkennt.

Wir nehmen uns also vor dem Essen einen Moment Zeit und gehen im Geiste ein Paar Schritte durch unsere Innenwelt.

Im ersten Schritt kommen wir bei unserem Essen und in unserem Körper an

Setzt euch gemütlich vor eurem Essen hin, atmet ruhig und tief ein und aus. jetzt fühlt in euch rein. Was spürt ihr? “Betrachtet” genau, was in euch los ist. Könnt ihr bestimmte Gefühl in euch ausmachen? Welcher Natur sind diese Gefühle? Ist es ein unangenehmes Gefühl, das ihr vielleicht nicht einmal zulassen wollt, dann gehen wir weiter zu Schritt 2. Seid hier auch ehrlich zu euch selbst: Unruhe kann an dieser Stelle auch als “unangenehmes Gefühl” gewertet werden. Fällt es euch schon schwer, einfach nur in Ruhe und Stille vor eurem Essen zu sitzen? Dann macht euch nichts vor, in euch wird etwas los sein, das gesehen werden will!

Wenn ihr in euch trotz intensivem “hinsehen” nur das grummeln deines leeren Magens spürt und euch schon das Wasser im Mund zusammen läuft, dann ist es wahrscheinlich echter Hunger. Alles was ihr eurem Körper jetzt geben kannst ist, euer Essen mit Freude und allen Sinnen zu genießen. Ignoriere in diesem Fall die nächsten Schritte einfach.

Im zweiten Schritt schauen wir uns das unangenehme Gefühl genauer an

Auch wenn es vielleicht anstrengend und schmerzhaft ist, das Gefühl zuzulassen – es ist wichtig, dem Gefühl den Schrecken zu nehmen.

Wo in deinem Körper sitzt das unangenehme Gefühl (im Brustraum, im Bauch, im Hals)? Hat es vielleicht eine bestimmte Farbe oder Form? Auch wenn sich das jetzt vielleicht komisch für euch anhört, aber mir hat es zu beginn sehr geholfen, mir unangenehme Gefühle als Objekt oder Tiere vorzustellen. Meine Freude ist zum Beispiel eine große gelbe Kugel und meine Wut sieht aus wie ich als kleines Mädchen. Das hat mir geholfen, keine Angst mehr vor Gefühlen zu haben, die ich vielleicht sogar Jahre lang versteckt habe, weil sie so sehr schmerzen. In diesem Schritt geht es also darum, das Gefühl, das da in dir ist, voll und ganz zu erkennen.

Im dritten Schritt entscheiden wir, was wir mit dem Gefühl machen möchten

Jetzt wo wir das Gefühle in uns genau angeschaut haben können wir uns Fragen, ob wir das unangenehme Gefühl akzeptieren (in uns sein lassen) wollen oder ob wir es uns unbedingt weg wünschen, weil es so schlimm ist (Notiz am Rande: Ein Gefühl “weg” haben zu wollen kann sehr problematisch sein, weil das schnell auf Verdrängung heraus läuft. Es ist deshalb sinnvoller, ein Gefühl zu “transformieren”. Dazu aber an anderer Stelle mehr.)

Es ist wichtig, dass ihr hier ganz ehrlich zu euch seid. Ihr seid nicht stark, nur weil ihr das Gefühl aushalten könnt und genauso wenig schwach, weil ihr das Gefühl nicht aushalten wollt. Doch lasst euch an der Stelle gesagt sein, wir können mehr aushalten als wir denken. Das hat die Forschung beispielsweise auch bei Körperlichen schmerzen herausgefunden. Wenn wir einen körperlichen Schmerz akzeptieren können, weil wir vielleicht wiesen, das unser Körper heilt, der Schmerz vorbei geht und keine bleibenden Schäden hinterlässt, können wir diesen viel länger ertragen. Also sei ehrlich und nimm dir für die Frage etwas Zeit.

Im vierten Schritt klären wir, wie wir uns ohne das unangenehmen Gefühl fühlen

Egal, was du bei der Frage vorher für dich beschlossen hast, wir werden das unangenehme Gefühl in diesem Schritt loslassen und sei es nur für einen kurzen Moment in unserer Vorstellung. Denn, ob du das Gefühl nun behalten, transformieren oder loslassen möchtest: Jetzt geht es darum die Erfahrung zu machen, dass du Gefühle jederzeit loslassen kannst und dass DU und nicht dein Unterbewusstsein am Steuer sitzt.

Wenn unser Inneres durch äußere Umstände gesteuert werden kann, können wir unser Inneres auch selbst bewusst steuern. Wir können dann selbst entscheiden, welche Verhaltensweisen (und damit verbundene Konsequenzen und Emotionen) noch ihre Berechtigung und welche ausgedient haben. Weil sie uns z.B. nur noch daran hindern, den Fluss des Lebens mit allen Sinnen zu genießen.

Gehen wir also in unser unangenehmes Gefühl rein. Fühlt es richtig intensiv und mit allen Sinnen. Was macht es mit eurem Körper, bewegt es sich, drückt es? Es ist wichtig, dass ihr das Gefühl wirklich fühlt. Glaubt mir, ihr werdet davon nicht sterben (auch wenn es sich manchmal so anfühlen kann).

Jetzt wird die Perspektive gewechselt

Wenn ihr das Gefühl auf diese Weise richtig intensiv erlebt habt, dann macht eine kurze Pause. Schüttelt euch mal durch, steht vielleicht sogar mal kurz auf und hüpft auf und ab.

Diese “Unterbrechung” brauchen wir, weil wir uns als nächstes vorstellen, wie es sich anfühlen würde, wenn das Gefühl nicht mehr da wäre, weil wir es losgelassen haben. Versuche es, spiele mit deiner Fantasie! Geh in dein Inneres und fühle, was da sonst noch ist, ohne das Gefühl, hinter dem Gefühl.

Wie fühlt sich euer Körper jetzt an? Spürt ihr eine Veränderung? Geht auch hier richtig in das Fühlen eures Körpers rein. Geht jedes Organ durch und spürt, wie es sich ohne das Gefühl anfühlt und verhält. Es kann durchaus sein, das du diese unangenehmen Gefühle nicht loslassen möchtest, weil du es noch als Schutzschild vor Verletzungen oder als Halt brauchst. Auch das ist vollkommen okay. Hier gilt wie immer, sei sanft und ehrlich mit dir. Du kannst nicht von Heute auf Morgen alles ändern, nur weil du verstanden und erkannt hast. Keine Sorge, alles zu seiner Zeit, hier ist Niemand alleine.

Im 5 und letzte Schritt wird von euch jetzt ganz viel Ehrlichkeit gefordert

Wie war oder ist es, ohne dieses unangenehme Gefühl zu sein?

Ist euch durch die Vorstellung, das unangenehme Gefühl loszulassen, eine last von den Schultern gefallen? Wenn ihr das Gefühl in eurer Vorstellung loslassen konntet (auch wenn es ein noch so kurzer Augenblick war), könnt ihr das immer und immer wieder machen. Vielleicht bis das unangenehme Gefühl irgendwann ausgedient hat.

Wenn dir das loslassen so gut getan hat, dass du das unangenehme Gefühl nicht mal mehr zurück genommen hast, dann bist du jetzt frei.

Auch wenn du noch nicht dauerhaft loslassen kannst lass dir gesagt sein, du wirst es tun, wenn du das möchtest. Denn die Erleichterung, die durch das loslassen eintritt, hat magische Konsequenzen.

Plötzlich keine Lust mehr auf ZUCKRIGE FETTBOMBEN

Umso mehr Verhaltensweisen meiner “Autopilotin” und unangenehme Gefühle ich loslassen durfte, umso mehr habe ich wieder den Zugang zu meinem natürlichen Essverhalten erlangt. Es hat sich fast wie automatisch eingependelt, als ich angefangen habe, mehr Achtsamkeit in meinem Leben zu praktizieren.

Ich spüre heute wieder ein natürliches Sättigungsgefühl und das bei 1/3 der Menge an Essen von dem, was ich früher “gebraucht” habe. Ich habe plötzlich viel häufiger Lust auf von mir selbst ausgewählte und mit meinen eigenen Händen zubereite Speisen, anstelle in ein Restaurant zu gehen oder mir schnell etwas Togo zu holen.

Es ist so ein unbeschreibliches Gefühl, sich nach so einem langen Leidensweg endlich wieder zu verstehen und selbstbestimmt und frei zu Handeln. Aber auch hier gilt, nehmt den Druck raus, es ist ein Prozess der seine Zeit braucht.

5 Schritte, um euch vor unkontrolliertem essen zu schützen: Ausblick für unsere weitere Reise

Seit Jahren beschäftige ich mich mit diesem Thema und ich kann dir sagen, dass ich immer noch nicht alle Muster aufgedeckt habe, die mich zum Essen greifen lassen. Ich habe immer wieder neue Erkenntnisse und lerne mich immer besser kennen.

Die Tipps und auch das Tool, welches ich euch hier an die Hand gebe ist alles, was mir dabei geholfen hat, den Grund hinter meinem Ess-Verhalten zu erkennen und loszulassen. Ganz wichtig ist, dass wir dabei nachsichtig, offen und ehrlich mit uns selbst sind. Selbst die Forschung hat noch nicht alle Mechanismen aufgedeckt, die uns dazu verleiten, etwas zu essen, obwohl wir keinen körperlichen Hunger verspüren oder obwohl wir sehr genau wissen, dass uns das dritte Eis jetzt nicht gut tut. Deshalb gilt es, dass wir wieder selbst für unseren eigenen Körper herausfinde, was, wann und wieviel Essen wir brauchen.

Um das herauszufinden möchte ich euch bitten, dass ihr die Übung die ich euch hier an die Hand gegeben habe, mindestens 2mal am Tag (am besten natürlich vor jedem Essen) übt. Ihr könnt das Tool natürlich auch gerne in anderen Situationen anwenden. Zum Beispiel wenn ihr merkt, dass ihr auf andere Menschen launisch oder zurückweisend reagiert.

Zu beginn kostet es vielleicht etwas Überwindung, aber die Veränderungen welche mit der Zeit eintreten sind sooooo mega bereichernd für das Essverhakten und das Leben. Und das passiert alles noch bevor wir so richtig in die Ernährungslehre eintauchen.

Ich bin wirklich super gespannt, was ihr aus der Übung für euch mitnehmt und ob ihr jetzt bereits Veränderungen an eurem Essverhalten feststellen könnt.

In Liebe, eure Sarah

P.S. tägliche Inspiration und Rezepte passend zum Thema gibt auf Instagram bei unser_pflaenzchen.

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